Sprüche über das Leben
3293 Sprüche — Seite 161
Die Not ist oft der Henker der Tugend. Öfter jedoch wird sie durch Üppigkeit und Reichtum zu Grunde gerichtet.
— Heinrich Martin
Wenn wir bedenken, dass Vernunft ihre Stoffe nur allein aus dem Herzen, den Sinnen und unserer Einbildung holt, so wissen wir hinlänglich, wie weit sie in praktischer Beziehung verlässlich ist.
— Heinrich Martin
Ein unverbrüchliches Gesetz ist die Vernunft; wer sich ihr entzieht, verletzt die Humanität, mithin die heiligsten Menschenrechte.
— Heinrich Martin
Es gibt kein Maß und Gesetz für Auffassung der Schönheit, weil ihre Beschaffenheit, je nach der Individualität des Menschen, in dessen Seele verschiedene Abspiegelungen findet.
— Heinrich Martin
Wer Leidenschaft zum Vernunftgenossen macht, hintergeht sein Gewissen.
— Heinrich Martin
Warum stehen Phantasie und Verstand so oft im Widerspruch? Weil dieser mit kalter Sonde zergliedern will, was jene aus Duft und Luft und aus den leisesten Regung des Herzens gewebet und aufgebaut hat …
— Heinrich Martin
Der Mensch bleibt schwach bei aller Weisheit, die nur zu oft der Stimmung unterliegt; denn stets kommt eine neue Torheit, wenn kaum die alte ist besiegt.
— Heinrich Martin
Die Lüge straft durch's eigene Bewusstsein; Die Wahrheit hält's Gewissen und die Brust rein.
— Heinrich Martin
Die nach allen Freuden rennen darfst Du leere Köpfe nennen.
— Heinrich Martin
Bei einer guten Tat sind wir uns stets selbst genug; bei einer bösen Tat sehen wir uns jedoch nach Mitschuldigen um.
— Heinrich Martin
Phantasie ist die Fackel, welche uns voran leuchtet und das Dunkel erhellt, wenn wir auf der Leiter des Verstandes emporsteigen wollen zur Erkenntnis des Schöpfers.
— Heinrich Martin
Streiche die Phantasie fort und die meisten Genüsse unsres Daseins sind nicht des Erwähnens wert.
— Heinrich Martin
Wo und wie sollen wir die Wahrheit finden, wenn wir sie nicht aus der Quelle des Irrtums schöpfen?
— Heinrich Martin
Freiheit wünschen nur wenige edle Menschen, Willkür der große Haufen.
— Karoline Freiin von Wolzogen
Die Willkür kennt nur den blinden Eigenwillen.
— Karoline Freiin von Wolzogen
Oft ist es die Angst vor einem Übel, die uns zu einem schlimmeren führt.
— Nicolas Boileau-Despreaux
Nichts zu tun haben ist eine fürchterliche Bürde
— Nicolas Boileau-Despreaux
Es gibt kein Jenseits, kein anderes Ufer mehr, wenn das Unendliche in unser Leben selbst zu liegen kommt.
— Friedrich Lienhard
Ringsherum Grenzen unseres Erkennens. Eingekapselt sind wir in die Schale unserer fünf Sinne, eingekapselt in Raum und Zeit.
— Friedrich Lienhard
Das Leben ist ein Mysterium, das man vom schöpferischen Herzen aus erlebt.
— Friedrich Lienhard